Kollegiale Supervision

Auf der Basis einer berufspraktischen Reflexion soll die Kollegiale Supervision die beruflichen Kompetenzen der Menschen stärken und sich überflüssig machen (vgl. Denner 2000, 68). Mit der Kollegialen Supervision ist eine anwendungsbereite Methode zur ungeleiteten Gruppensupervision von Mutzeck entwickelt worden, d.h. ein Gruppenmitglied übernimmt die Leitung. Diese Form der Supervision ist für den Schulalltag besonders geeignet, da die Verantwortung der Leitung und Durchführung in die Hände der Supervisionsgruppe gelegt werden und keine Kosten für einen externen Supervisor anfallen. An einer kollegialen Supervision nehmen Personen teil, die i.d.R. dem gleichen Berufsfeld angehören, aber kein Team sind. Die Gruppenmitglieder werden in Form einer Fortbildung angeleitet, die Supervisionssitzungen eigenverantwortlich durchzuführen. Das heißt, abwechselnd übernimmt jeweils ein Teilnehmer die Rolle des (Haupt-) Supervisors (Leiters) und ein weiterer Teilnehmer bringt ein Gesprächsthema ein, das er bearbeiten möchte (vgl. Mutzeck 2008b, 46). Es existieren zahlreiche Gründe, die für die Durchführung von Supervision und die Etablierung von Supervisionsgruppen sprechen. Zwei zentrale Punkte werden an dieser Stelle benannt:

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Das Belastungsphänomen der Mitarbeiter in pädagogischen Arbeitsfeldern

Die Erhöhung von Klassenstärken, die Umsetzung von Konsequenzen aus internationalen und nationalen Schulleistungsvergleichen (z.B. Pisa, IGLU), die Erhöhung des Renteneinstiegsalters, vermehrte Disziplinprobleme in den Schulen lassen die (erlebte) Belastung von Mitarbeitern und Leitern pädagogischer Einrichtungen in den letzten Jahren enorm steigen. Ein Gegengewicht hierfür wird nur selten geboten bzw. von den Betroffenen wahrgenommen. Dieses Ungleichgewicht wird zum Beispiel durch einen erhöhten Krankenstand, teilweise starke Fluktuation, überproportionales Auftreten von psychischen, psychosomatischen und psychiatrischen Erkrankungen sowie vielen Frühpensionierungen sehr deutlich (vgl. Mutzeck 2008c, 887). Die Phänomene der Überlastung und der Überforderung führen zu bzw. bedeuten auch einen Verlust an Professionalität und Qualität der Lehrtätigkeit. Supervision ist eine Möglichkeit, den genannten Phänomenen und Problemen effektiv präventiv und intervenierend entgegenzutreten, Allerdings kann Supervision selbst schlechte Arbeitsbedingungen nicht verbessern. Sie will aber Menschen befähigen, professionell zu handeln und diese Bedingungen selbsttätig zu verändern.

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Verbesserung und Sicherung der Qualität der Arbeit

Der Austausch von Erfahrungen, das gemeinsame Beraten einer Gruppe bei Problemen oder Konflikten ist ein unerlässlicher Bestandteil von Qualitätsentwicklung und -sicherung. Die Kollegiale Supervision ermöglicht eine systematisierte Reflexion und die Entwicklung einer passgenauen Problemlösung für das Individuum, die Gruppe oder die Organisation (vgl. Mutzeck 2008c, 888).

 

Es zeigt sich, dass die Supervision neben diesem präventiven und kurativen Charakter einen hohen Bildungswert hat. „Für die Weiterentwicklung, Verbesserung und Sicherung von Professionalität, insbesondere im Bereich Erziehung, ist Supervision eine sehr wertvolle Möglichkeit situationsnah und handlungsorientiert zu lernen. Sie schafft die Gelegenheit systematischer Reflexion der Praxis in Verbindung mit neuem Wissen und Erkenntnissen“ (vgl. Mutzeck 2008b, 38). Sie zielt auf die Erhöhung des Selbstwirksamkeitserlebens und der Handlungsfähigkeit des Supervisanden unter besonderer Berücksichtigung seiner Potentiale und Ressourcen. Supervision wird zur kurz- und mittelfristigen, systematischen und professionellen Begleitung und Unterstützung, welche vom direkten Handlungsdruck des Berufsalltages losgelöst ist, d.h. die eingebrachten Themen werden aus einer gewissen Distanz heraus betrachtet.